Presse


Süddeutsche Zeitung

20.06.07

Beifallsstürme
Bryn Terfel und Barbara Krieger begeistern im Herkulessaal
Von Klaus P. Richter

Wer zum »Heldenbariton des 21. Jahrhunderts« geht, wird immer auf seine Kosten kommen. Denn Bryn Terfel verwandelt mit seiner sängerischen und physischen Präsenz jedes Potpourri von Gesangsnummern zum Besonderen. Dem Begrüßungsapplaus der begeisterten Fangemeinde nach hätte er im Herkulessaal eigentlich gar nicht mehr zu singen brauchen. Als er es aber tat, beherrschte schon bei Mozarts »Non più andrai« aus dem »Figaro« seine dramatische Gestaltungskraft den Saal. In den Arien aus »Falstaff« und Wagners »Fliegendem Holländer« erreichte sie schließlich ihre Höchstform. Gewiss, das Waliser Urgestein wird auch älter und gelegentlich schnarrt es in den Registerwechseln von der Kopf- zur Bruststimme. Aber das geriet bei Falstaffs grotesk-pointiertem »Eh! Paggio« eher zum Vorzug. Terfels Partnerin war Barbara Krieger von der Wiener Staatsoper. Ihr strahlendes Forte in den höchsten Lagen war überwältigend, „Glück das mir verblieb“ aus Korngolds »Die tote Stadt« gelang magisch.

Gabriel Feltz, Chef der Stuttgarter Philharmoniker, und die Dresdner Sinfoniker trugen die Sängerstars auf Händen. Markantes Profil aber bewiesen sie in der Ouvertüre zum »Fliegenden Holländer«, vor allem aber als sie zeigten, dass der stilistische Schnitt zwischen Wagners »Holländer«-Aufruhr und John Adams turbulentem Klangspektakel »Short Ride in a fast Machine« gar nicht so scharf war, wie man vorher vermuten wollte. Süddeutsche Zeitung