Presse


Orpheus


Orpheus Journal 2008-05/06
Sopranglück
Von H. B. Zimmermann

Zwischen der Ouvertüre zu Wagners Oper »Der fliegende Holländer« und Schumanns »Rheinischer« (Symphonie Nr. 3) gab es eine mehr als nur erfreuliche Begegnung mit der charmant-elegant gekleideten Sopranistin BARBARA KRIEGER, die mit drei Orchesterliedern (»Cäcelie«, »Morgen« und »Zuneigung«) sowie den »Vier letzten Liedern« von Richard Strauss ihre bei dem CD Label Brilliant Classics und in Kooperation mit dem Festival MúsicaMallorca soeben erschienene Einspielung mit diesem Programm dem Berliner Publikum exklusiv und live präsentierte. Es gibt Stimmen, die eignen sich ganz besonders für das Werk eines Komponisten. Barbara Krieger darf eine solche ihr Eigen nennen. Ein Strauss-Sopran, wie man sich ihn nur wünschen kann, silbern und jung klingend im Timbre, eine grundierte Tiefe, eine volle Mittellage und dazu die sicheren Höhen, die sich ideal über die (an diesem Nachmittag in der Philharmonie manchmal zu stark aufspielenden) Orchesterfluten hinwegsetzen konnten. Dass ihre natürliche und dennoch intellektuell-verinnerlichte Interpretation beim Publikum Gefallen fand, bewiesen die starken Akklamationen nach jedem Lied. HEIKO MATHIAS FÖRSTER begleitete mit den leidenschaftlich engagiert spielenden Berliner Symphonikern zwar souverän, doch hätte eine vom Klangkörper ausgehende differenziertere Korrespondenz mit der Interpretin der positiven Gesamtleistung ganz bestimmt noch mehr Kolorit verliehen.



Orpheus 2008-09/10
Sturzbäche
Von Ingrid Wanja

Stets eine Herausforderung für den Wettergott sind Open-Air-Konzerte mit dem Titel »Viva l'Opera« oder »Italienische Sommernacht«, und auch am 04.07. ließ sich Petrus nicht lumpen und schüttete wie aus unerschöpflichen Kannen Nasses auf das zahlreich erschienene Publikum. Darunter hatte wohl auch die Technik gelitten, denn es dauerte etwas bis zum Beginn des ersten wie des zweiten Teiles, was den Rest desselben im Feuerwerksgeknall zur Eröffnung der amerikanischen Botschaft untergehen ließ. Was man zu hören bekam, war von Seiten der Solisten höchst erfreulich. ROBERTO ALAGNA bewies im ersten Teil mit Arien und Duetten aus französischen Opern, dass genau in diesem Repertoire seine besonderen Stärken liegen, mit einer sensibel gesungenen Blumenarie, im Duett mit BARBARA KRIEGER aus Lakmé, weniger mit einem nicht enden wollenden Stück aus der unlängst uraufgeführten Oper seines Bruders, einer Mischung spätestromantischer und veristischer Musik. Keineswegs zurück hinter dem Weltstar stand die deutsche Sopranistin mit einer Arie aus Louise und Michaels »Je dis que rien ne m'epouvante«, Stücke, in denen sie eine schön aufblühende Höhe und interpretatorische Reife einsetzen konnte.

Italienisch wurde es nach der Pause mit zwei Duetten, bzw. mit deren jeweiligem Schluss, aus Butterfly und Bohème, in denen nicht nur vokal ein herzliches Einvernehmen herrschte, sondern der Tenor auch darstellerisch aus sich herausging. Cavardossi und Adriana Lecouvreur konnten schließlich ganz und gar das Publikum für sich und ihre Interpreten gewinnen. Weniger gefallen konnte der Chor Capella Mallorquina und die Berliner Symphoniker unter OLIVER TARDY, die unter anderem mit der Sinfonia zu La Forza del destino an diesem Ort und unter diesen Umständen überfordert waren. Wenn einem vom Regenschirm des Hintermannes die Tropfen in den Nacken und von dem des Vordermannes kleine Bäche in die Schuhe laufen, ist man nur bei musikalischen Höchstleistungen bereit auszuharren.


Orpheus 2008-09/10
Operngala
Von Irma Wendler

Die Operngala Roberto Alagna und Barbara Krieger fiel in Berlin ja beinahe ins Wasser, sprich »Singin´ in the rain« war angesagt. Doch zwei Tage später hatten die Künstler an der Alster ein trockenes Dach (CCH Congressi) über dem Kopf. Das wirkte sich besonders beim Orchester (OLIVER TARDY dirigierte mit dem gehörigen Elan die gut disponierten Berliner Symphoniker) positiv aus. Die Chorbeiträge (Capella Mallorquina) aus La Traviata, Il Trovatore, Nabucco, Carmen u.a. klangen zwar nicht so üppig wie gewohnt und erwartet, doch hatten sie insgesamt mit einer speziellen Singeslust überzeugen können. Eine hohe Qualität besaß dagegen die Hitparade beliebiger Arien, Duette, Ouvertüren (die aus La Forza del Destino war sehr packend geraten) und Zwischenspiele. Diese trieb die Zuhörer zu Beifallsorkanen an und sie feierten die beiden Solisten besonders nach dem Butterfly-Duett, dem aus Lakmé, dem von Mimi/Rodolio (La Bohème) und dem Brinclisi (La Triviata)gebührend. In den Soloauftritten gewann BARBARA KRIEGER bei der Arie der Mariella (Die tote Stadt), der Michaela (Carmen) und der Adriana Lecouvreur mit strahlend aufklingenden Höhen, präsenter Mittellage und intensiven Phrasierungen die Sympathien des Publikums, während aufgrund der mitreißenden Gestaltung nach E lucevan le stelle (Tosca), Ach so fromm (Martha) und nach der Szene aus einer Oper des Tenor-Bruders David auch die Fans ROBERTO ALAGNAs in Rage gerieten.

Die vielen Zugaben (u.a. Laurettas O mio babbino caro, sehr innig gesungen) ließen erkennen, dass diese Operngala eine willkommenen Bereicherung im sonst eher müden Programm des Feriensommers an der Alster bedeutete.


Orpheus 2008-11/12
Operngala Dresden

Nach Berlin und Hamburg war vor der Dresdner Frauenkirche zur dritten Operngala mit Roberto Alagna und Barbara Krieger auch der Wettergott wieder einsichtig. Den Duetten aus La Bohème, Madame Butterfly, Lakme und La Traviata verliehen die beiden Stars einfühlsame Sensibilität, und in ihren Soloauftritten bewiesen sie eine stupende Könnerschaft, die das Publikum zu Beifallsstürmen animierte. Erneut leitete schwungvoll Oliver Tardy die Berliner Symphoniker und der Chor der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung von William Spaulding wusste sich stimmstark zu behaupten. Erst ein wundervoll gesungenes »Guten Abend, gut' Nacht« von Barbara Krieger und ein sich zum Schlafen niederlegender Roberto Alagna ließen unmissverständlich den Schluss der gelungenen open air-Veranstaltung erkennen.