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Der Tagesspiegel


»Stern hinter Wolken«
Von Matthias Nöther

Es regnet in Strömen, doch die Zuschauer von Viva l'opera beim Classic Open Air-Konzert auf dem Gendarmenmarkt scheint das kaum zu stören. Zwar sind nach der Pause am Samstagabend einige leere Sitzgruppen-Inseln im Meer der 1-Euro-Regencapes des Sponsors erkennbar, doch größtenteils wird ausgehaart. Und weil zu Belohnung kein azurblauer Himmel und keine blitzenden Sterne herhalten können, ist alle Aufmerksamkeit auf das musikalische Geschehen konzentriert.

Auf der Bühne lässt man sich vom Wetter durchaus beeindrucken. Die Berliner Symphoniker unter Oliver Tardy liefern Gounods »Faust«-Walzer und die Ouvertüre zu Verdis »Forza del destino« mit Präzision ab, doch die Capella Mallorquina lässt sich vom so gar nicht mediterranen Ambiente zu sehr ins Bockshorn jagen. Zu zaghaft und unentschieden klingt der Chor bei der Verherrlichung des »Carmen«-Toreros und beim Freiheitschor aus Verdis »Nabucco«. Besser die Solisten: Zwar führt Roberto Alagna in einer Arie aus einer Oper seines Bruders David vornehmlich tenorale Standardsituationen aus, lässt sich aber am Ende von den tiefhängenden Wolken zu einem verschatteten »E lucevan le stelle« inspirieren. Auf ganzer Linie beeindruckt die Sopranistin Barbara Krieger, die in den französischen Nummern von Bizet und Delibes dunkle und weiche Farben findet und in »Madame Butterfly« ihre Strahlkraft unter Beweis stellt. Nur die Zugaben haben keine Chance gegen das Feuerwerk zur Eröffnung der amerikanischen Botschaft. Der Tagesspiegel